Meine hochsensible Stärke – Teil 4: Hochsensibilität und Fotografie

Meine hochsensible Stärke – Teil 4:

Hochsensibilität und Fotografieein Interview

Wir kennen einander schon von klein auf – doch erst unser beider Hochsensibilität hat uns nach vielen Jahren wieder zusammengeführt 😉


Ich freue mich riesig, mein Interview mit meinem lieben, Insekten begeisterten und Fotografie talentierten Freund Christian mit Euch teilen zu dürfen!!!


© Copyright und Bildrechte bei Christian Kantner.
Kleiner Wollschweber (Bombylius minor).
Er schwebt wie ein Kolibri in der Luft.
 

Lieber Christian, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für unser Interview nimmst 😊
Wie geht es Dir im Moment?

Es ist eine sehr aufwühlende Zeit, mit dem Home Office, mehr Zeit und engerem Kontakt mit der Familie. Das birgt natürlich Konfliktpotenzial, gleichzeitig hat diese neue Zeit auch viele Vorteile und bringt schöne Momente. Jetzt im Moment geht es mir gut.


Vorab herzlichen Dank, dass Du Dich zur Verfügung stellst.

Ich sage danke, dass du mir die Möglichkeit gibst, einen Teil meines Wesens auf diese Weise zu zeigen. Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht so gemacht, aber dadurch, dass ich mich in den letzten Jahren schon gut kennen gelernt habe, bin ich der Meinung, dass das gut und schön ist, wenn man ein bisschen nach außen geht.


Ja super 😊 Christian, erzähl mir von einer Situation, als Du Deine Hochsensibilität als Stärke wahrgenommen hast?

Ich habe immer und schon sehr früh in meinem Leben  bemerkt, dass ich alles intensiver spüre als andere Menschen, in meinem Biologiestudium (auch in meinem  zweiten Studium Technisches Umweltmanagement & Ökotoxikologie), und durch mein Interesse für Umwelt, für unseren Planeten und was wir damit machen (Stichwort Müll oder Verschwinden von Grünflächen für Bauprojekte). Den sogenannten Weltschmerz spüre ich förmlich auch körperlich, als würde er mich persönlich und leiblich betreffen.

Als Stärke sehe ich mein Gespür für die Fotografie, mit der ich mich seit 3 Jahren intensiv beschäftige. Mein Interesse für Insekten, für Biodiversität und Naturschutz hängt stark mit meiner Hochsensibilität zusammen.
Beim Fotografieren nehme ich viele Details wahr, bin voll bei mir. Ich fühle mich dabei gelöst, bin im Moment, mache mir keine Gedanken, sondern bin fokussiert, sehe durch die Kamera, was da ist und freue mich darüber. Da habe ich eine Art Tunnelblick, was mir auch schon witzige Erlebnisse mit anderen Spaziergängern beschert hat Ich gehe dabei in eine andere Welt.
Und es wird auch immer intensiver, ich spüre das sogar jetzt beim Erzählen, wie ich mich freue aufzustehen, noch vor Sonnenaufgang, kaum jemand ist unterwegs, ich spür einfach die Natur, nehme sie wahr und freue mich welche Überraschung jetzt wieder kommen mag.


Sehr schön, wie Du dieses Gefühl beschreibst, wenn Du so ganz bei Dir bist 🙂
Was meinst Du ist ausschlaggebend dafür, dass Du beim Fotografieren die Hochsensibilität als Stärke wahrnehmen kannst?

Eine gute Frage, ich denke einfach, die Hochsensibilität ist ein Teil meines Wesens.
Früher hatte ich negative Assoziationen damit, habe getan „was sich gehört“ usw.
Ich habe akzeptiert, das ist ein Teil von mir und ich kann das nicht einfach „wegmachen“. Es ist ein stetiger Lernprozess, damit zu leben – und die Fotografie hilft mir dabei.
Mit der Fotografie gehe ich demnächst mit meiner eigenen Homepage auch nach außen.
Ich führe schöne Gespräche beim Fotografieren und kann dabei etwas zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Vielfalt um uns herum beitragen und auch die Notwendigkeit vermitteln, dass wir diese schützen müssen, weil es in Wirklichkeit auch für unser Überleben wichtig ist.
Die Hochsensibilität bietet mir auch die Möglichkeit, Feuer und Flamme für meine  Themen zu sein.


Wobei hilft oder unterstützt Dich Dein feinfühliges Wesen?

Es hilft mir sicherlich dabei, Situationen bewusster wahrzunehmen, solche die Freude und Spaß bereiten, nicht „blind“ Lebenszeit verstreichen zu lassen. Diese Momente auch als Lebensmomente wahrzunehmen.
Auch im Umgang mit anderen Personen – ich bin sehr empathisch – hilft mir sicherlich die Hochsensibilität, ich kann mich gut in andere einfühlen und trete rasch in Kontakt mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen haben, um mit ihnen Erfahrungen auszutauschen.


Welcher Deiner Sinne – inkl. 6. Sinn – ist bei Dir besonders stark ausgeprägt?

Ganz bestimmt der 6. Sinn – ich nehme Räume und Personen mit ihren vorherrschenden Stimmungen sehr deutlich wahr. Oft wollte ich die Probleme anderer lösen, was jedoch nicht funktioniert. Ich habe diese Grenze auch manchmal überschritten, wenn ich nicht gemerkt habe, dass es jetzt eigentlich genug wäre. Das Helfersyndrom schwingt da mit.
Und natürlich ist mein visueller Sinn stark ausgeprägt, das zeigt sich in meiner Fotografie gerade von so kleinen Tieren wie Insekten. Da habe ich dieses Gespür, sie auch wirklich zu sehen.
Für manche ist die z.B die Lobau (mein bevorzugtes Fotografiergebiet) ein Erholungsraum, in dem sie Radfahren, ich selbst bin in Ruhe unterwegs und achte und erlebe eher die Details, nehme alles bewusst wahr.



© Copyright und Bildrechte bei Christian Kantner. Wollbiene, Gattung Anthidium.


Wofür bewundern Dich andere aufgrund Deines Wesens?

Für meinen Idealismus, dafür, dass ich für Themen, die mir wichtig sind, einstehe, und dass ich Lösungen suche und bereit bin, persönlich dafür etwas zu tun. Besonders meine Frau und viele in meiner Familie bewundern mich für diese Dinge.
Mein Spitzname in meinem Umfeld lautet „Öko-Terrorist“ – ich kann einfach nicht wegschauen, wenn jemand z.B. einen Zigarettenstummel achtlos auf den Boden wirft. Das hat natürlich oft auch schon zu Streitgesprächen geführt
Gerne würde ich andere überzeugen, habe festgestellt, dass man bei solchen Gesprächen die Emotionen außen vor lassen und sachlich bleiben muss, aber wir sind ja alle Menschen, da kann man die Emotion nicht ausblenden. In solchen Situationen stoße ich oft an meine Grenzen.


Christian, wie könnte sich Dein Feingefühl auf Dein Umfeld, Deinen Beruf, Dein Leben auswirken?

Beruflich könnte sich längerfristig eine neue Richtung ergeben – oder auch ein zweites Standbein vielleicht. Es hat sich schon jetzt viel getan, und eventuell kann ich dadurch meinen Beruf ja interdisziplinärer gestalten.
Familiär bemerke ich das große Interesse meiner Tochter für die Natur, was mich natürlich sehr freut!


Was ist Dir mittlerweile oder durch unser jetziges Gespräch bewusst geworden? Was hast Du von Dir erkannt?

Mir ist jetzt noch bewusster geworden, dass ich damit wirklich am richtigen Weg bin. Entgegen aller Konventionen oder Erwartungen unserer Leistungsgesellschaft und dem Glauben, es allen (anderen) recht machen zu müssen. Egal wie lange es dauern wird, ich werde diesen Weg sich entwickeln lassen. Ich bin umso mehr bestärkt, meinen Weg zu gehen.


Du hast gesagt, die Fotografie ist Teil Deines Wesens, sie führt Dich noch mehr zu Dir – ich bin überzeugt davon, dass das, wofür man wirklich brennt – so wie Du fürs Fotografieren – einfach glücklich macht und auch immer Erfolg haben wird. Es macht einfach glücklich, für sich selbst einzustehen und es in erster Linie einmal sich selbst recht zu machen. So haben auch die anderen ja das Meiste von Dir. Wie siehst Du das?

Ja genau, jeder kann dann ja damit umgehen wie er möchte, sich etwas davon nehmen oder nicht – und was auch immer daraus entsteht, es ist wichtig, dass es ein Teil meines Lebens ist und wird und sich hoffentlich auch weiter entwickelt. Wenn ich mit meinen Fotos jemandem Freude bereite, dann hab ich eigentlich schon mein Ziel erreicht.


Was davon würdest Du gerne vertiefen oder jetzt konkret umsetzen?

Manchmal verliere ich den Fokus, es kommen Zweifel von außen oder es tauchen eigene hinderliche Glaubenssätze auf. Konkret möchte ich gerne meine Glaubenssätze („Du musst immer fleißig sein, du musst immer tun, du musst immer alles richtig machen, immer den anderen entsprechen, …“) angehen und mich noch stärker auf mich selbst fokussieren. Weil ich ja spüre, dass das der richtige Weg ist. Ich möchte noch besser mit dem allen umgehen lernen.

Glaubenssätze kann man ja auch wunderbar transformieren. Man muss sie nicht „wegsperren“, aber man kann sie zu förderlichen Sätzen oder hilfreichen Leitsätzen umformen.

Da hilft mir bestimmt auch gerade meine Hochsensibilität mit meinen persönlichen Glaubenssätzen besser umzugehen. Gerade dieses Bewusstsein und das intensive Wahrnehmen von mir selbst hat mir sicherlich dabei geholfen, den Schritt zu setzen, professionelle Unterstützung zu suchen.


Und diesen Schritt muss jeder für sich im eigenen Tempo setzen.

Absolut, diesen Schritt muss jeder alleine gehen.


Christian, wem möchtest du gerne von all dem erzählen, davon dass du dich bestärkt fühlst, auf dem richtigen Weg zu sein?

Personen, die mir wichtig sind, primär meiner Familie und meinen Freunden, bei denen ich Resonanz und Interesse vorfinde – in erster Linie meiner Frau. Ich glaube schon, dass sie mein feinfühliges Wesen auch wertschätzt, deswegen hat sich mich vermutlich auch geheiratet 😊


Genau, es hat immer alles zwei Seiten, diese Bipolarität finden wir überall. Wir haben alle Seiten in uns, die eine mehr und die andere weniger, und gerade das Integrieren aller Teile macht ganz, lässt Dich der Mensch sein, der Du eben bist, und das ist auch heilsam 🙂

Lieber Christian, ich danke Dir vielmals für dieses schöne Gespräch, ich hoffe, Du hast es ebenso genossen wie ich?

Vielen Dank, es war ein sehr schönes Gespräch und ich hab jetzt ein sehr schönes Gefühl, habe ehrlich gesagt auch keine Lust jetzt zu arbeiten, sondern eher die Kamera zu nehmen und in die Natur zu fahren. Aber auch diesen Dingen muss man sich wieder widmen 😉 Vielen Dank für das Gespräch, war wirklich sehr schön!


Vielen Dank Dir, lieber Christian, das freut mich sehr – auch ich habe das Interview mit Dir sehr genossen 😊 Nochmals herzlichen Dank für Deine Offenheit!



© Copyright und Bildrechte bei Christian Kantner.
Kleines Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus). 

Haseya zum Muttertag

„Haseya“ – für alle weiblichen Wesen unserer Mutter Erde

The Beauty of Mother Nature

Rise up my sisters, rise up

We are the water, the sacred cup

It’s in our hands that all life grows

It’s in your dance, it’s in your hands

It’s in your love we rise above

It’s in your song I hear my soul

Ajeet Kaur, Album Haseya

Besonders in diesen außergewöhnlichen und fordernden Zeiten ist jeden Tag Muttertag – wir Frauen leisten gerade in den letzten Wochen außergewöhnlich viel, um für unsere Kinder, für unsere Familien, für unsere Freunde da und stark zu sein. Nicht nur am Muttertag sollte diese Hingabe wertgeschätzt werden, keine Frage – gleichzeitig möchte ich gerade heute diesen wunderbar weiblichen Song von Ajeet Kaur mit allen weiblichen Wesen unseres wunderschönen Planeten teilen.

Waldruhe

In Diné, der Sprache der Navajo-Indianer bedeutet das Wort „Haseya“ sich zu erheben, oder sie erhebt sich
Haseya beinhaltet die einfache Botschaft, jenseits aller Kulturen und sonstigen Trennungen zusammen zu kommen und gemeinsam den Schmerz zu heilen, der uns voneinander und von der Erde trennt. 


Gerade in der Sanftheit dieses Stückes (und jener der Weiblichkeit) liegt meines Empfindens nach eine besonders berührende Stärke – vielleicht genießt ihr sie ja ebenso wie ich…

It’s in our hands that all life grows…

Ajeet Kaur, Haseya

In diesem Sinne: Alles Liebe zum Muttertag – auf all die wundervollen weiblichen Wesen dieser Erde, insbesondere meine Mama, die – wie ich weiß – diesen Beitrag als eine der ersten lesen wird 😉 :-*

Eure bekennende Tree-Huggerin Nicole 🙂

Meine hochsensible Stärke – Teil 3

Meine hochsensible Stärke – Teil 3

Selbst in – oder gerade wegen – dieser außergewöhnlichen und fordernden Zeit teilt eine weitere liebe Freundin ihre hochsensible Stärke mit uns. Ganz herzlichen DANK für Dein Vertrauen und diesen tief gehenden Blick in Deine Seele!


Nichts geht jemals vorbei, bis es uns gelehrt hat, was wir wissen müssen.

Pema Chödrön

Hochsensibel in Zeiten der Krise oder auch wie man das Leid der ganzen Welt (er) trägt

Was für ein Titel. Ich war selbst etwas überrascht. Aber so reißerisch Headlines oft sind, dieser Tage besonders, so wahr klingt es wohl für Menschen mit Hochsensibilität.

Das Thema Corona ist allgegenwärtig. Und diesmal ist es nicht nur im Fernsehen, es ist nicht weit weg und es sind nicht die anderen. Es ist real, es ist hier und es betrifft uns alle. Auf eine besondere Weise trifft es Menschen, die diese ganz feinen Antennen haben. Menschen, mit jeder Menge Bedürfnisse, die sie aber meist hintanstellen. Wie ein Schwamm gehen sie durch die Welt und saugen alles in sich auf. Emotionen, Bilder, Gerüche, Geräusche, Schwingungen, Energie. Das sind die Menschen mit dem sechsten Sinn. Und diesen Sinn könnte man auch den Sinn für Weltschmerz nennen.

Fluch wie Segen zugleich

Jetzt klingt das alles natürlich unglaublich negativ. Ist es aber gar nicht. Diese Menschen, diese hochsensiblen Personen unter uns, sind, so wie ich, in der Lage Dinge wahrzunehmen, die anderen verborgen bleiben. Und das ist Fluch wie Segen zugleich. In Situationen wie diesen, in denen die ganze Welt nur ein Thema kennt, ist die Verunsicherung groß. Im Wirrwarr aus social media, social distancing, e-learning, tele-working, homeoffice, video conferences, Skype dates und natürlich pädagogisch up to dater Kinderbetreuung (ganz nebenbei), geraten wir alle an unsere Grenzen. In dieser Zeit habe ich manchmal das Gefühl, die Last und das Leid der gesamten Welt liegt auf meinen Schultern. Doch spannender Weise kann ich gerade jetzt meine Stärken entfalten. Denn ich weiß, dass ich gut auf mich Acht geben muss. Dass ich mit meiner Energie haushalten kann und mir Pausen gönne, wenn ich sie brauche. Und genau jetzt, in Zeiten der Krise, kommen diese Stärken auch besonders zum Vorschein.



Stütze sein in dieser Zeit der Unsicherheit

Als Führungskraft im sozialen Bereich gehe ich nach wie vor täglich in die Arbeit. Die Routine und Struktur tun mir gut, geben mir Sicherheit. Ich bin Ansprechperson für Freunde, Familie, Arbeitskollegen, Eltern und Kinder. Für sie bin ich eine Stütze. Und diese Stütze kann ich sein, weil ich durch meine feinfühlige, empathische Art meinen Mitmenschen ein Gefühl des Verstandenseins und der Sicherheit geben kann, ohne viele Worte. Danke Hochsensibilität!

Gesunder Geist in gesundem Körper

Mir selbst gegenüber bin ich oft deutlich unsensibler. Man selbst ist eben immer der härteste Kritiker. Deshalb (und wegen der überdurchschnittlichen Menge an Essen) habe ich Yoga für mich entdeckt. Ganz ehrlich, es hat eine Pandemie gebraucht, um mich dafür zu begeistern, aber jetzt liebe ich es dafür umso mehr. Denn dadurch habe ich gelernt, dass man selbst so manche Last leichter trägt, wenn man einen starken, geraden Rücken hat. Gesunder Geist in gesundem Körper, sagt man ja. Und es wirkt! Denn so wie wir das korrekte Heben und Tragen von schweren Dingen lernen, können wir das auch mit den unsichtbaren Lasten tun. Die äußere, aufrechte Haltung hilft mir, meine innere Haltung zu stärken.

Kraft schöpfen

Meine Kraft dafür kommt oftmals aber auch aus meinem Umfeld. Sie liegt in aufbauenden Gesprächen, im gemeinsamen Lachen, in guter Musik und spannenden Podcasts, genauso wie in der Natur, die sich ja gerade eine kleine Pause von uns gönnen darf. Genauso wie Menschen mit Hochsensibilität sich kleine Pausen gönnen dürfen. Vor allem für die Gedanken, die oft allzu lange nachhallen. In solchen Situationen hilft es mir, mich vollends auf eine gewisse Tätigkeit zu konzentrieren. Wie es mein Beruf vielleicht vermuten lässt, bastle ich gerne (was für ein Klischee). Die kleinsten, fitzeligsten Herausforderungen liebe ich besonders. Wenn es aber mal zur Abwechslung die Ikea Kommode sein soll, auch gut. Vor dem Einschlafen noch ein Podcast oder klassische Musik, ein kleines, inneres Dankeschön. Und so fällt es am nächsten Tag wieder ein bisschen leichter, diese bekannte, fast schon liebgewonnene Last der Welt zu tragen.

Danke Hochsensibilität!