Hochsensibilität oder „Die sanfte Stärke der Mimosen“

Hochsensibilität oder „Die sanfte Stärke der Mimosen“

Wer die Sanftmut als Schwäche sieht, verkennt ihren Mut…



Ernst R. Hauschka


Vielleicht kennt Ihr das?

Vielleicht kennt Ihr das? Ihr seid überfordert und habt das Gefühl, dass andere das Leben viel leichter nehmen können als Ihr?
Ihr fühlt euch oft anders, reagiert scheinbar schnell überreizt und nehmt besonders viel und intensiv wahr? Laute Geräusche, starke Gerüche, grelles Licht stören Euch mehr als andere?
Die Stimmungen anderer oder beim Betreten eines Raumes könnt Ihr förmlich spüren?
Längst Vergangenes hallt lange in Euch nach, wird wieder und wieder durchgekaut?
Ihr scheint eine viel kleinere Komfortzone als andere zu haben, denn Euch ist schnell heiß, kalt oder einfach alles zu viel? Hungergefühle lassen Euch ganz plötzlich „unleidlich“ und „zur Diva“ werden?

Wenn Ihr einige dieser Fragen[1] mit JA beantworten könnt, besteht die Möglichkeit, dass Ihr zu den 15-20 % der hochsensiblen Menschen (HSP, highly sensitive person) dieser Welt gehört.



Ein Wesenszug

Hochsensibilität ist keine Krankheit oder Diagnose, sondern ein Wesenszug, der in unserer Welt oft noch nicht bewusst wahrgenommen wird und häufig negativ behaftet ist.
„Du bist eine Mimose. Sei doch nicht so überempfindlich…“, „Verstehst du keinen Spaß?“, „Bist du schüchtern?“ und ähnliche Aussagen sind Euch vermutlich nicht fremd. Sie alle vermitteln: „Was stimmt nicht mit dir?“ – und ein langwieriges Ankämpfen gegen eine vermeintliche Schwäche beginnt…

Im Übrigen ist die in diesem Zusammenhang viel zitierte Pflanze zwar sehr berührungsempfindlich und reagiert stark auf diverse Schwankungen, gleichzeitig klappt sie jedoch nur den betroffenen Pflanzenteil ein, und der Rest bleibt unbeeindruckt. Nach einer Weile öffnet sie sich wieder und regeneriert sich…


Hochsensibilität – ein paar Fakten

Hochsensibilität ist eine neurologische Normvariante, die seit jeher im Menschen- und Tierreich zu finden ist. Früher waren hochsensible Menschen jene Mitglieder des Stammes, die durch ihre ausgeprägte Wahrnehmung frühzeitig vor Gefahren warnen konnten. HSP nehmen viel intensiver wahr und weisen mehr neuronale Verbindungen im Gehirn auf als normal sensible Menschen.

Wissenschaftlich erwiesen ist bereits auch, dass Hormone eine große Rolle spielen: HSP sind ständig „alert“, ihre Antennen stets ausgefahren, und sie haben schlichtweg eine andere Aufmerksamkeitsstufe als Normalsensible. Ihr Hormonsystem ist auf erhöhte Aufmerksamkeit ausgerichtet – dadurch nehmen Hochsensible mehr wahr und sind aus eben diesem Grund schneller überfordert und überreizt – dies ist allerdings als neurologische, körperliche Tatsache und nicht als Schwäche zu sehen.

Fachlich ausgedrückt: das häufigere Ausschütten von Adrenalin bei HSP sorgt für eine erhöhte Bildung von Cortisol (Stresshormon), welches bei hochsensiblen Menschen langsamer als bei normal sensiblen wieder abgebaut wird. Das führt unter anderem zur bereits erwähnten rascheren Überforderung, und daher benötigen HSP auch mehr Zeit zur Regeneration und ausreichend Ruhephasen.


Eigene Erfahrungen mit Hochsensibilität

Erst durch die Zeit nach der Geburt meiner Tochter erkannte ich, dass auch ich zu den besonders Feinfühligen dieser Welt gehöre, und das bereits von klein auf.

Ich hatte meine Schwangerschaft sehr genossen – bis auf anfängliche Übelkeit und die üblichen Beschwerden zu Ende des dritten Trimesters – und dann war sie da. Meine wunder-volle Tochter! Überrollt von so viel Gefühl, unfassbar viel Liebe und noch nie dagewesenen Emotionen und auch Ängsten fand ich mich in einem Zustand wieder, den ich so nicht erwartet hatte. Glücksgefühl und Traurigkeit über den abrupten Abschied von meinem bisherigen Leben (und so sehr man sich auch damit beschäftigt: man ist beim ersten Kind dennoch NIE auf das Elternsein vorbereitet!) lösten einander ab. Dieses Gefühlschaos, das Hin und Her und das damit einhergehende schlechte Gewissen (als frisch gebackene Mami müsste man doch ausschließlich überglücklich sein, oder?) quälten mich enorm! Bis ich durch liebevolle Begleitung und gezieltes Fragen erfuhr, dass ich möglicherweise zu den 15-20% an Hochsensiblen dieser Welt (HSP – highly sensitive person) gehörte…

Zuerst fühlte ich mich durch diese Erkenntnis nicht unbedingt getröstet. Zwar hatte ich endlich einen Grund für meine oftmals empfindliche Art, mein Zuviel-Denken, mein Verhalten in gewissen Situationen, mein Wahrnehmen von ALLEM – aber wie sollte ich nun damit umgehen? Ich lernte allmählich unterschiedliche Strategien kennen, und mit der Zeit erkannte ich, dass gerade in dieser Sensibilität viele meiner Stärken und Potenziale verborgen lagen: Einfühlungsvermögen, Situationen erspüren, Verständnis, Empathie und vieles mehr. Eigenschaften, die mich in meinem Coach-Sein tatsächlich sehr unterstützen!

Durch dieses für mich wirklich einprägsame Erlebnis nach der Geburt wurde mir klar, dass ich auch andere hochsensible Menschen, insbesondere Frauen und Mütter, in genau diesen Themen begleiten wollte.

Diese Erfahrungen teilen

Ich möchte meine Erfahrungen und das daraus resultierende Verständnis mit jenen Menschen teilen, die noch mit sich und ihrem feinfühligen Wesen hadern, die diese  Seite annehmen und die darin verborgenen Potenziale mithilfe achtsamer Begleitung entfalten möchten.

Denn hochsensible Menschen möchten

  • sich „normal“ fühlen, leichter mit Ihrer sensiblen Ader umgehen können und sich zu schützen lernen. Ihren Wesenszug annehmen und damit gut leben können
  • sich selbst besser kennen und verstehen lernen
  • auch von ihrem engen Umfeld verstanden oder zumindest nicht mehr abfällig als „Mimose“ abgestempelt werden
  • dass ihre feinfühlige Seite als das wahrgenommen wird, was sie ist: als Teil Ihres Wesens & als großes Potenzial, sich in andere einzufühlen, viel mehr wahrzunehmen und teilweise auch intensiver genießen zu können als normal sensible Menschen
  • für diese Seite anerkannt bzw. gesehen werden und diese sinnvoll einsetzen. Sinn ist generell ein wichtiges Element im Leben von HSP!
  • sich Rückzugsmöglichkeiten schaffen, wenn sie diese mal benötigen
  • einen möglichst geregelten Tagesablauf und Rituale erschaffen, denn in Ihrem Kopf herrscht bereits genug Chaos

Ein guter Tipp

Ein guter Tipp dazu ist Bodenhaftung, sich immer wieder zu erden. Barfuß zu gehen, jedenfalls die Füße auf den Boden zu stellen. Auf die Atmung zu achten: in den Bauch zu atmen, denn auch dadurch balancieren wir unser Hormonsystem aus und vermitteln unserem Körper, dass er in Sicherheit ist.

Auch die Pause gehört zur Musik.



Stefan Zweig


Du musst da nicht allein durch…

Falls auch Du Dich durch meine Erzählungen angesprochen fühlst, Dich teilweise wiederfindest und Dich dabei von mir begleiten lassen möchtest, kontaktiere mich gerne für ein unverbindliches Gespräch.

Es tut einfach gut zu wissen, dass diese Herausforderungen auch andere kennen und dass diese mit vertraulicher und einfühlsamer Unterstützung gut zu meistern sind.

Durch die Ordnung, die Du mittels Coaching in Deinen Kopf bringst, sparst Du auf lange Sicht auch wieder Zeit, Lebenszeit. Denn Du verstehst dich selbst viel besser, lernst Deine Bedürfnisse kennen und wie Du damit und Deinem Umfeld am besten umgehen kannst 😊


Sich selbst wieder spüren

Dem Thema „Achtsamkeit“ messe ich in diesem Zusammenhang große Bedeutung zu. Gerade hochsensible Menschen können durch Achtsamkeitspraxis wieder mehr zu sich und einen liebevollen Umgang mit ihrem Wesenszug finden. Weiterführende Gedanken dazu findet Ihr übrigens in meinem Blogeintrag von Dezember 2018 😊

Den Puls des eigenen Herzens fühlen. Ruhe im Innern, Ruhe im Äußern.
Wieder Atem holen lernen, das ist es.



Christian Morgenstern


Eine Herzensempfehlung

Ich darf Euch zu diesem Thema ein ganz besonderes Büchlein empfehlen: „Meine starken sanften Seiten“ von Irmi Riedl – ein (Über)Lebens- & Tagebuch
für die Hochsensiblen dieser Welt <3


Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling.
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.


Hans Christian Andersen

[1] Die anerkannte Hochsensibilitäts-Forscherin Elaine N. Aron hat hierfür einen Test entwickelt. Dies ist ein Auszug ihrer Testfragen. Siehe auch Elaine N. Aron: Sind Sie hochsensibel?

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