Hochsensibilität in der Arbeitswelt – Fluch oder Segen?

Meine hochsensible Stärke – Teil 8

Hochsensibilität in der Arbeitswelt – Fluch oder Segen?

„Für mich ist die Hochsensibilität etwas Besonderes.
Man kann sie als Fluch oder als Segen sehen, diese Wahl trifft jeder selbst.“

Zitat Verena


Schon viele Jahre kenne ich meine nächste Interview-Partnerin – und wie das Leben so spielt, hat uns das Thema der Hochsensibilität auch in diesem Fall wieder zusammengeführt 😊
Ich freue mich, Euch einen einfühlsamen Einblick in Verenas Leben als hochsensibles Kind sowie ihre spannenden Gedanken zur Hochsensibilität in der Arbeitswelt vermitteln zu dürfen!


Liebe Verena, vielen Dank, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast und Dir die Zeit dafür nimmst 😊
Wie bist Du eigentlich darauf gekommen, dass Du hochsensibel bist?

Ich habe mich oft gefragt: „Bin ich zu schwach für diese Welt?“ Besonders wenn es ums Arbeiten ging, denn da kam ich mit einigen (besonders unsensiblen) KollegInnen nicht gut zurecht. Mir war regelrecht schlecht in der Früh… Dann habe ich ein Buch entdeckt – „Die Berufung für Hochsensible“ von Luca Rohleder – und mich darin wiedergefunden! Ich musste richtig weinen, weil ich endlich eine Erklärung für mein „So-sein“ hatte. Ich war richtig erleichtert!


Das kann ich gut nachvollziehen, auch ich war damals froh, endlich einen Namen dafür zu haben, wenngleich auch nicht sofort davon begeistert, siehe „Meine hochsensible Stärke, Teil 1“… 😊
Verena, wie zeigt sich die Hochsensibilität bei Dir?

Sie zeigt sich besonders in plötzlichen Hungerattacken! Da werde ich „hangry“ 😉 Und ich habe immer schon lieber von außen beobachtet, war schon als Kind eher bei den Erwachsenen, weil mir andere Kinder oft zu laut oder zu wild waren. Da ich Gefühle anderer stark wahrnehme, wird meine eigene innere Ruhe durch dieses Laute und Wilde gestört. Ich habe mich immer gefragt, ob ich falsch bin. Durch das o.g. Buch habe ich mich verstanden gefühlt und gemerkt, ich bin ok so wie ich bin. Ich wollte meine Hochsensibilität auch nie „weghaben“, sondern habe die Erkenntnis darüber eher als Erleuchtung empfunden.


Das klingt sehr positiv und freut mich für Dich!
Welcher Deiner Sinne ist denn besonders stark ausgeprägt?

Mein Geruchssinn und mein 6. Sinn, alles Zwischenmenschliche und Feinfühlige nehme ich besonders stark wahr. Speziell in der Arbeitswelt, im Großraumbüro habe ich sehr darunter gelitten. In meinem jetzigen Job ist es optimal, da hängt nichts in der Luft, weil auch die Chefs schon auf gutes Klima achten.


Toll, wenn die Vorgesetzten ein gutes Gespür dafür haben!
Und in welchen Situationen nimmst Du Deine Hochsensibilität als Stärke wahr?

Für mich ist die Hochsensibilität etwas Besonderes. Man kann sie als Fluch oder als Segen sehen, diese Wahl trifft jeder selbst. Es ist wichtig, sich selbst annehmen zu können, selbstreflektiert zu sein.
Wo mir die Hochsensibilität hilft? Überall. Dabei, eine gute Mutter und einfühlsam zu sein. Beim Vorfühlen. Ich kenne mein Kind in- und auswendig, da unterstützt mich meine Intuition.
In der Arbeitswelt hilft sie mir dahingehend, dass ich Konflikte wahrnehme und deeskalieren kann, bevor sie ausbrechen – statt sie aufbauschen, können wir sie gleich ansprechen.
In meiner Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin habe ich gemerkt, dass mir meine Hochsensibilität im Kontakt mit Klienten ebenfalls sehr nützlich ist. Oft habe ich das Feedback erhalten, sehr reif für mein Alter, besonders feinfühlig und empathisch zu sein. Ich kann mein Gegenüber gut spiegeln und dessen Gefühle in Worte fassen.



Welchen Tipp bzw. welche Tipps möchtest Du anderen hochsensiblen Menschen mitgeben?

Nimm Dich an, wie Du bist – und mach‘ das Beste daraus.
Ich habe beispielsweise „aussortiert“ und geschaut, welche Menschen mir wirklich gut tun.
Und an alle hochsensiblen Mamas: „Du bist die richtige Mama für DEIN Kind“.


Was ist Dir mittlerweile oder durch unser jetziges Gespräch bewusst geworden? Was hast Du von Dir selbst erkannt?

Ich habe festgestellt, dass ich meine eigenen Themen noch mehr bearbeiten könnte. Und mir ist aufgefallen, dass ich total aufmache bei Dir 😊
Außerdem ist mir bewusst geworden, dass ich freundlicher und liebevoller mit mir selbst umgehen darf.


Ja, das dürfen wir alle, und die meisten tun sich recht schwer damit. Das Selbstmitgefühl zu kultivieren, damit würden wir uns selbst und unserem Umfeld wirklich Gutes tun 🙂
Wie geht es Dir denn jetzt nach diesem Interview?

Sehr gut. Ich bin erleichtert, weil mich das Thema schon lange sehr beschäftigt. Und ich fühle mich jetzt daran erinnert, wie schön es ist, hochsensibel zu sein! Danke Dir dafür, Niki 🙂
„Hab Vertrauen, alles wird gut“ – das würde ich den LeserInnen auch noch gerne mitgeben.


Liebe Verena, vielen Dank, das sind wunderschöne und perfekte Schlussworte! 😊
Danke für diesen Einblick in Deine hochsensible Kindheit und Dein ebenso feinfühliges Erwachsensein. Es war schön zu hören, wie Du diesen Wesenszug angenommen und Dir zu Nutzen gemacht hast! 🙂

Danke auch Dir für diese schöne Erfahrung! 😊


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